Tag Archive: Wieden



Am 9. Dezember 2012 wird ein Teil des Wiener Hauptbahnhofs eröffnet. Exakt sind es vier Gleise sowie ein Durchfahrtsgleis. Der Vollbetrieb ist für 2014 geplant. Der erste Zug hält um 4.56 Uhr, eine Garnitur der S80 aus Hirschstetten.

Der 9.12. wurde gewählt, weil an diesem Tag die Fahrpläne in Europa umgestellt werden. Gleichzeitig wird auch der neue Bahnhof Tullnerfeld (s. unten) in Betrieb genommen.

Plan des Wiener Hauptbahnhofs

Großer Plan zum Download per Mausklick. (© ÖBB)

Neue Stationsnamen
Die bisherige Station Wien Südtiroler Platz heißt nun Wien Hauptbahnhof.
Die Station Wien Südbahnhof (S-Bahn) heißt Wien Quartier Belvedere.

Neue öffentliche Verbindungen

  • Die Linie 13A fährt nun die Strecke Wien Hauptbahnhof – Alser Straße, Skodagasse.
  • Die S60 fährt nun Bruck a. d. Leitha – Wien Hauptbahnhof – Wien Hütteldorf, zu den Stoßzeiten wwird sie bis Rekawinkel verlängert.
  • Die S80 fährt die Strecke Hirschstetten – Meidling – Pottendorfer Linie – Wiener Neustadt und vereint damit die bisherige S80 und die bisherige S5/S6.
  • Es gibt eine neue REX Bratislava-Petrzalka – Wien Hauptbahnhof – Deutschkreutz.

Bilder vom Wiener Hauptbahnhof


Das Projekt Hauptbahnhof Wien mit dem neuen Stadtviertel zwischen Wiedner Gürtel, Sonnwendgasse, Gudrunstraße und Arsenalstraße umfasst eine Gesamtfläche ca. 109 ha. Zum Vergleich: Der gesamte 8. Bezirk (Josefstadt) hat 108 ha. Die geschätzten Investitionen liegen bei rund 4 Milliarden Euro.

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In zwei Wochen ist es soweit. Dann hat Wien nach 150 Jahren Diskussion und Planung einen Hauptbahnhof. Zumindest eine teilweisen, denn der Vollbetrieb wird erst 2014 aufgenommen.

Bevor wir in einigen Tagen die Informationen zu den Verkehrsanbindungen und Umstellungen veröffentlichen, zeigen wir hier einige Fotos vom Bau des Bahnhofs (bittschön anklicken):


1. Die Niederlage

Am Morgen des 28. Oct. aber eilte Alles mit frischen Kräften zum neuen Kampfe. Gegen 10 Uhr Vormittags wurde der Angriff zugleich aus alle Linien der Stadt mit einer furchtbaren Kanonade eröffnet und Bomben in die Vorstädte, namentlich Wieden und Landstraße, geworfen, die auch bald in Flammen standen. Der Geschützdonner wurde bald so heftig, daß die Fenster in der Stadt sprangen und die Häuser erbebten. Mit Heldenmuth wurde überall gekämpft und der Tod nicht gescheut; wo ein Kämpfer stürzte, drängte sich auch schon ein anderer an seine Stelle; der Tod hielt eine furchtbare Ernte, besonders die Garden und Arbeiter, die wie Verzweifelte kämpften, wurden hart mitgenommen. Die Uebermacht des Militärs war zu groß und ein Häuslein nach dem andern mußte weichen, nachdem es vorher manchen braven Kamerad verloren, aber auch manchen Feind niedergestreckt hatte. Die Linien wurden endlich nach einem fürchterlichen Blutbad von dem Militär an verschiedenen Punkten gestürmt und nun begann der Kamps in den Straßen hinter den Barrikaden, gegen welche der Feind ein zerstörendes Kanonenfeuer eröffnete, während Bomben aus die Universität geworfen und die Vorstädte mit Granaten, Raketen und Shrapnels fast überschüttet wurden, wodurch viele Straßen in Brand geriethen und die Bewohner derselben entweder von den einstürzenden Häusern erschlagen oder von den Kanonenkugeln zerrissen wurden.

Illustration von Weld Taylor, in: Henry John Coke: Vienna in 1848, London 1849, S.34

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Ein Lehrer ist kein Hamster


Das Schuljahr geht zu Ende. Aus diesem Anlass möchten wir die durch Fauna und Flora schweifenden Gedanken des Wiedner Gymnasialdirektors Dr. Valentin Teirich zum Schulschluss 1857 wiedergeben:

„Ihnen, meine wackern Kollegen, Ihnen zu danken, finde ich kaum Worte; nur wir wissen, was wir einander waren, wie wir uns brüderlich in Mühe und Arbeit getheilt, jeder selbst auf der eigenen Bahn vorwärtsstrebend und zugleich auch den andern auf der ihrigen vorwärtshelfend; dieses stille, freudige, tiefsinnige Bewusstsein ist das schönste, es ist der einzige Lohn des Lehrers; er ist kein bunter Falter, dessen Fittige der schillernde Staub des Ruhms schmückt, er ist kein Hamster, der nur für die eigene Speisekammer zusammenträgt, er ist wie die bescheidene Seidenraupe, die still und unbemerkt den kostbaren Stoff webt, aus dem die die Menschheit sich ihre herrlichsten Kleider bereitet. (…)

Das vergangene Jahr hat uns wohl auch manche herbe Prüfung auferlegt. Die Schule, welche ihren Zöglingen jenes wundervolle Bild von Ordnung und Gesetzmäßigkeit entrollt, das sich in der Natur offenbart, die Schule, welche den heranwachsenden Menschen daran gewöhnen soll, immerund überall im Leben Gesetz und Ordnung zu achten, muß beides auch in ihrem engern Kreise aufrecht erhalten; es ist die erste heiligste Pflicht des Lehrers, der Gerechtigkeit, wenn auch mit schwerem Herzen, ihren Lauf zu gönnen; wo wir gestraft, da haben wir strafen müßen, so gerne wir auch geschont hätten. Eben weil der Gärtner seine Blumen liebt, darf er des Unkrauts nicht schonen; es ist nicht der Hass gegen dieses, es ist die Liebe für seinen schönen duftenden Garten, die ihm dabei die Hand führt.“

(Quelle: Zweiter Jahresbericht über die Wiener Kommunal-Oberrealschule in der Vorstadt Wieden, Wien 1857)


Der vierte Wiener Gemeindebezirk wurde 1850 aus mehreren Vorstädten gebildet, darunter der namensgebenden Wieden. Die zentrale Verkehrsverbindung ist die Wiedner Hauptstraße, die bereits im römischen Wien Teil eines Verkehrsweges in den Süden war.

J. Ziegler: Aussicht gegen die Vorstädte Vieden und Vien, Wien 1780; © Österreichische Nationalbibliothek. Das Bild zeigt den Wienfluss und das riesige Freihaus.


Das imposanteste Gebäude des Bezirks war lange Zeit das aus dem 17. Jahrhundert stammende Freihaus, ein riesiger Gebäudekomplex zwischen der Resselgasse und der Schleifmühlgasse. Es wurde mehrmals zerstört und wieder aufgebaut und umfasste Ende des 18. Jahrhunderts unter anderem einen schlossartigen Trakt, Wohnungen, Handwerksbetriebe, Stallungen, Märkte und die Rosalienkapelle, die heute auf dem Naschmarkt steht. Im Freihaustheater wurde 1787 Mozarts Zauberflöte uraufgeführt.


© August Stauda

Der Fotograf August Stauda eröffnete 1885 sein Atelier auf der Wieden. 1898 erhielt er den Auftrag, die Alt-Wiener Häuser in allen Bezirken und Vororten für das Wiener Städtische Museum zu dokumentieren. Dabei entstand 1901 die Aufnahme des Hauses Kleine Neugasse 9, genannt Löwenhaus. Es befand sich gegenüber dem Schluwi.

1902 übersiedelte der Naschmarkt an seinen heutigen Platz und lag damit zur Hälfte in Mariahilf und zur Hälfte in der Wieden. 2009 wurden die Bezirksgrenzen neu gezogen. Seither gehört der Naschmarkt gänzlich zum 6. Bezirk. Schade, eigentlich.

1905 errichtete Carl Wollek den Mozartbrunnen auf dem Mozartplatz, der an die Uraufführung der Zauberflöte 1791 im Freihaustheater erinnert.

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