Category: Literature



Payerbach-Viadukt der Semmeringbahn, etwa 1875

Payerbach-Viadukt der Semmeringbahn, etwa 1875

Also, den Beppo Beyerl, kennen die Leser dieses Blogs ja. Unter anderem wurde hier einmal ein Buch besprochen, in dem er quer durch Wien spaziert.

Weil er ein ausgesprochener Peripatetiker, also ein Geh-Denker, ist, hatscht in seinem neuen Buch gleich von Wien bis Triest. Dabei begleitet ihn bisweilen der Geist von Johann Gottfried Seume, der etwa 200 Jahre zuvor die Strecke begangen und beschrieben hat.

Und weil der Beppo Beyerl nicht geradewegs dahinmarschiert, erzählt er neben den Geschichten der Hauptstraße auch viele Gschichterln von den Seitengassen und Kreuzungen. So erfahren wir von den Zwangsarbeitern, die in den Motorenwerken von Neu-Guntramsdorf für Endsieg schuften mussten, von der unaufhaltsamen Vermehrung der Karl-Renner-Plätze im Industrieviertel und von der Abneigung der Schottwiener gegen den Bau einer Bahn über den Semmering.

Weiter geht’s über Bruck an der Mur nach Slowenien, durch das ein gewisser Janez Puh radelte, der in Österreich als Johann Puch doch allerlei fürs Radfahren getan hat, nach Maribor, nach Ljubljana, in den Karst mit seinen jung verstorbenen Dichtern und und und – genau 197 Seiten lang, die eine kurzweilige Mischung aus Reportage, lebendiger Geschichte, Schmäh und Poesie ergeben.

Beppo Beyerl: Die Straße mit den 7 Namen von Wien nach Triest, Löcker Verlag, Wien 2013

Advertisements

Der weinende Trinker

Karl Joseph Simrock war Jurist, Germanist und Schriftsteller. Unter anderem übertrug er das  Nibelungenlied ins Neuhochdeutsche.

Karl Joseph Simrock war Jurist, Germanist und Schriftsteller. Unter anderem übertrug er das Nibelungenlied ins Neuhochdeutsche.

Als Anno eilf gekeltert war,
Schien noch die Sonne hell und klar.

Die Sonne schien so klar und heiß;
Vor seiner Thüre weint‘ ein Greis,

Hielt in der Hand ein Glas mit Wein
Und helle Thränen tropften drein.

„Was weinst du, guter alter Mann,
Hat dir ein Feind zu nah gethan?“

Zu nah gethan hat mir kein Feind:
Ich weine, weil die Sonne scheint.

„Wie sprichst du kindisch, unbedacht!
Wer weint denn, weil die Sonne lacht?“

Auch wein ich, weil der Wein so gut;
Gar köstlich schmeckt dieß Traubenblut.

„So bist du, Alter, nicht bei Trost:
Wer wäre gutem Wein erbost?

„Um guten Wein und Sonnenschein
Soll man von Herzen fröhlich sein.“

Darauf der Alte schluchzend spricht:
„Das, lieber Herr, versteht ihr nicht.

„Wie würd erst dieser Wein so gut,
Wenn er noch hieng‘ in solcher Gluth?

„Daß wir zu früh gelesen han,
Darüber wein ich alter Mann.“

Ein edler Wein wuchs Anno elf:
Daß Gott uns bald an beßern helf!

Karl Simrock (1802-1876)


Frans Hals: Der fröhliche Trinker (ca. 1582)

Die schweren Zeiten

Ach, ach, wie sind die Zeiten schwer,
Man möchte bald vergehen!
Flink Wein daher, flink Wein daher,
Daß wir sie überstehen!
Flink Wein daher, flink Wein daher,
Daß wir nicht gar vergehen!

Der Wein hat Schultern groß und stark,
Wirft Sorg‘ und Plag‘ und allen Quark,
Mit Saus und Braus
Zum Haus hinaus!

August Kopisch (1799-1853) , deutscher Historienmaler und Schriftsteller.

Anmerkung: Ein Wiener hätte selbstverständlich nicht von Quark schreiben können. Die korrekte Form Topfen reimt sich jedoch auf Hopfen, weshalb ein Wiener Autor aus demselben Material wohl ein Biergedicht verfasst hätte…


20130711-133334.jpgAm Anfang stand die Idee, Margaretner SchriftstellerInnen unter einer Leselampe zu vereinen, um sie alle an einem Abend aus ihren Werken lesen zu hören. Eine Versammlung der schreibenden Zunft, wie es sie in Wien so noch nie gegeben hat. Diesen flüchtigen Augenblick hält das Buch in einer beeindruckenden Vielfalt dauerhaft fest.

Mit Beiträgen von Hans Anglberger, El Awadalla, Armin Baumgartner Katrin Bernhardt, Elisabeth Chovanec, Wolfgang Felix Dagmar Fischer, Stefan M. Gergely, Heinz Gstrein Nikolaus Halmer, Mathias Handwerk, Ernst Hinterberger Eva Jancak, Gerald Jatzek, Rudolf Kraus Detlev Kreidl, Friederike Mayröcker, Roswitha Miller Carina Nekolny, Andrea Pesata, Harald Pesata Susanne Praunegger, Werner A. Prochazka Waltraud Ran Haubert, Helga Schwaiger Robert Sommer, Christa Urbanek, László Varvasovszky.

Harald Pesata (Hrsg.): 5er-Edition. Literatur aus Margareten, 290 Seiten, € 22,90, ISBN 978-3-902744-56-2


Trinkers Entschuldigung

Friedrich Wilhelm von Schadow: Porträt von Immermann

Friedrich Wilhelm von Schadow: Porträt von Immermann

Wenn mir das Haupt ein wenig toll,
Wenn mir die Füße taumeln,
Da schreit ihr gleich schon wieder voll!
Seht nur den Säufer schwaumeln!

Ich trinke, trinke, ihr habt Recht —
Und steck‘ in nassen Häuten;
Doch daß ihr schmäht, ist äußerst schlecht,
Pfui! Pfui euch harten Leuten!

Muß ich denn nicht zu eurem Schutz
So oft mich innen baden?
Und muß ich nicht zu eurem Nutz
Mir selbst durch Zechen schaden?

Den Brand hab‘ ich im Leibe, wißt!
Seit meiner Jugend Tagen,
Der stündlich im Begriffe ist,
Aus mir heraus zu schlagen.

Merk‘ ich die Hitze, greif ich schnell
Mit meinen beiden Händen
Nach allem Nassen, was zur Stell‘,
Um Feu’rsbrunst abzuwenden.

Ein ganz vertrackter Teufelsbrand!
Das Wasser macht ihn bunter;
Wein: ächter Jahrgang, gutes Land,
Der hält ihn eben unter.

So eben unter, daß er nicht
Die ganze Stadt verheeret;
Daß er an mir, mir armen Wicht,
Nur innen schwehlt und zehret.

So hab‘ ich fürs gemeine Wohl
Mich tausendmal betrunken:
Daß euren Spott der Henker hol‘!
Wie tief seyd ihr gesunken!

Es wär‘ viel besser, wie mir däucht —
Erwägt’s beim nächsten Mosten,
Ihr hieltet mich beständig feucht
Auf öffentliche Kosten!

Karl Leberecht Immermann (1796-1840)

Karl Leberecht Immermann war ein deutscher Schriftsteller, Lyriker und Dramatiker


Tja, vorgegeben war diese hochkünstlerische Zeichnung, und gesucht wurde eine Hauptfigur:

Drei Hinweise...

Drei Hinweise…


Ein Klick aufs Bild bringt die Lösung zum Vorschein.

%d Bloggern gefällt das: