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1. Die Niederlage

Am Morgen des 28. Oct. aber eilte Alles mit frischen Kräften zum neuen Kampfe. Gegen 10 Uhr Vormittags wurde der Angriff zugleich aus alle Linien der Stadt mit einer furchtbaren Kanonade eröffnet und Bomben in die Vorstädte, namentlich Wieden und Landstraße, geworfen, die auch bald in Flammen standen. Der Geschützdonner wurde bald so heftig, daß die Fenster in der Stadt sprangen und die Häuser erbebten. Mit Heldenmuth wurde überall gekämpft und der Tod nicht gescheut; wo ein Kämpfer stürzte, drängte sich auch schon ein anderer an seine Stelle; der Tod hielt eine furchtbare Ernte, besonders die Garden und Arbeiter, die wie Verzweifelte kämpften, wurden hart mitgenommen. Die Uebermacht des Militärs war zu groß und ein Häuslein nach dem andern mußte weichen, nachdem es vorher manchen braven Kamerad verloren, aber auch manchen Feind niedergestreckt hatte. Die Linien wurden endlich nach einem fürchterlichen Blutbad von dem Militär an verschiedenen Punkten gestürmt und nun begann der Kamps in den Straßen hinter den Barrikaden, gegen welche der Feind ein zerstörendes Kanonenfeuer eröffnete, während Bomben aus die Universität geworfen und die Vorstädte mit Granaten, Raketen und Shrapnels fast überschüttet wurden, wodurch viele Straßen in Brand geriethen und die Bewohner derselben entweder von den einstürzenden Häusern erschlagen oder von den Kanonenkugeln zerrissen wurden.

Illustration von Weld Taylor, in: Henry John Coke: Vienna in 1848, London 1849, S.34

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Beisl

Quelle: Wiener Beisln. Hg. Hubert Chr. Ehalt. Wien 1985

Alles mögt Ihr, alt und jung,
Mit Bedacht besorgen,
Von der Abenddämmerung
Bis zum hellen Morgen.

Darnach sollt Ihr jede Nacht
Euch als Trinker richten
Und erfüllen mit Bedacht
Eure Durstes-Pflichten.

Dieser Keller ist ein Amt,
Drin seid Ihr die Schwitzer.
Daß das Amt Euch recht entflammt,
Harret aus als Sitzer.

Eifer mög‘ Euch zeitlich schon
Nach den Fassetn treiben;
Dafür dürft Ihr dann zum Lohn
Desto langer bleiben.

Denkt niemal der Stundenzahl,
Die Euch vorgeschrieben;
Seid gewohnt, den Tonnensaal
Zeitlos fortzulieben.

Beugt Euch unwillkührlicher
Amtzeit-Überschreitung;
Schämt Euch vor ausführlicher
Durchgeh-Vorbereitung.

Bleibt im Bauch getreu dem Brauch,
Guten Wein zu nehmen;
Habt Ihr guten, mögt Ihr auch
Euch zu viel bequemen.

Gebet acht und seid bedacht,
In des Kellers Räumen,
Da Euch leuchtend lacht die Nacht,
Ja Nichts zu versäumen.

Merkt Euch, selber dürsten macht
Traurig unsre Kehle,
Bei der Andern Bürsten lacht
Nie die eigne Seele.

Trachtet, daß das Parlament
Hier in Kellers Gründen
Sich von Anfang bis zu End‘
Lustig mag verkünden.

Ehrt mit Miene, Wort und Schluck
Diese rechte Kammer,
Denket nie beim Gluck! Gluck! Gluck!
An den Katzenjammer.

Ludwig Gottfried Neumann (1813-1865), Beamter, Lehrer, Schriftsteller
aus: Trinklieder eines Wiener Poeten, Wien 1858


Am 15. August erinnern wir uns daran, dass Maria als Patronin der Astronauten1) 2) 3) diesen schon vor langer Zeit vorangedüst ist. Von dem Ereignis gibt es leider keine Aufnahmen.
Daher trösten wir euch mit einer kleinen Sammlung unserer allerliebsten Gespensterfotos.

1) Politische Korrektur: …und Astronautinnen
2) Politische Korrektur 2: …und Kosmonauten und Kosmonautinnen
3) Politische Korrektur 3: …und Taikonauten und Taikonautinnen

 


Ungeeigneter Quizmaster… (© Raul654 / Creative Commons)

Das Internet ist voll von Menschen, die anderen helfen wollen, was sich für diese nicht immer als Vorteil erweist. So könnt ihr froh sein, dass wir uns nicht an die Anleitung zur Vorbereitung ein Pub Quiz für Ihre Einrichtung halten, die uns aufklärt: „Es gibt viel Boden Arbeit getan werden müssen und in diesem Handbuch wird jede Phase durchlaufen.

Dass der Quizmaster eine wichtige Person ist, sehen wir noch ein. Die Personenbeschreibung stellt uns allerdings vor Rätsel: „Wer ist es, stellen Sie sicher, sie sind lustig, leicht zu verstehen, die Firma aber fair und Ordnung während der Nacht halten können.
Die erhellenden Ratschläge kann man auf YesicaWorld nachlesen, wo es von aufschlussreichen Berichten nur so wimmelt.

Sehr gefallen haben uns etwa die Titel:

  • Ist Selbsthypnose für Real? (möglicherweise eine Anleitung für spanische Fußballtrainer)
  • Wachsenden grünen mit Heu Racks und Kokosnüsse (vermutlich etwas für psychedelische Gartenfreunde)
  • Langstrecken Sie freigängige Anführungsstriche – warum Sie brauchen sie und wie man Sie (eine Frage, die wir uns auch stellen)

Reales Unglück

Verschwurbelte Sprache wird übrigens auch dort eingesetzt, wo reales Unglück verschleiert werden soll: Was in Inseraten und Zeitungsartikeln (manchmal gibt es ja einen Unterschied) gerne Aufwertung oder Gentrifizierung genannt wird, bedeutet für viele Altmieter den Auszug aus der gewohnten Umgebung.

In Wien kann man das zur Zeit am besten in der Leopoldstadt beobachten, wo das Gebiet zwischen der Donau und dem Praterstern von Spekulanten entdeckt wurde. Was das speziell für das Stuwerviertel bedeutet, beschreibt Doris Schlager in ihrem Blog.

Ein Lehrer ist kein Hamster


Das Schuljahr geht zu Ende. Aus diesem Anlass möchten wir die durch Fauna und Flora schweifenden Gedanken des Wiedner Gymnasialdirektors Dr. Valentin Teirich zum Schulschluss 1857 wiedergeben:

„Ihnen, meine wackern Kollegen, Ihnen zu danken, finde ich kaum Worte; nur wir wissen, was wir einander waren, wie wir uns brüderlich in Mühe und Arbeit getheilt, jeder selbst auf der eigenen Bahn vorwärtsstrebend und zugleich auch den andern auf der ihrigen vorwärtshelfend; dieses stille, freudige, tiefsinnige Bewusstsein ist das schönste, es ist der einzige Lohn des Lehrers; er ist kein bunter Falter, dessen Fittige der schillernde Staub des Ruhms schmückt, er ist kein Hamster, der nur für die eigene Speisekammer zusammenträgt, er ist wie die bescheidene Seidenraupe, die still und unbemerkt den kostbaren Stoff webt, aus dem die die Menschheit sich ihre herrlichsten Kleider bereitet. (…)

Das vergangene Jahr hat uns wohl auch manche herbe Prüfung auferlegt. Die Schule, welche ihren Zöglingen jenes wundervolle Bild von Ordnung und Gesetzmäßigkeit entrollt, das sich in der Natur offenbart, die Schule, welche den heranwachsenden Menschen daran gewöhnen soll, immerund überall im Leben Gesetz und Ordnung zu achten, muß beides auch in ihrem engern Kreise aufrecht erhalten; es ist die erste heiligste Pflicht des Lehrers, der Gerechtigkeit, wenn auch mit schwerem Herzen, ihren Lauf zu gönnen; wo wir gestraft, da haben wir strafen müßen, so gerne wir auch geschont hätten. Eben weil der Gärtner seine Blumen liebt, darf er des Unkrauts nicht schonen; es ist nicht der Hass gegen dieses, es ist die Liebe für seinen schönen duftenden Garten, die ihm dabei die Hand führt.“

(Quelle: Zweiter Jahresbericht über die Wiener Kommunal-Oberrealschule in der Vorstadt Wieden, Wien 1857)


Josef Wagner-Höhenberg (1870-1939): Die neuesten Nachrichten im Wirtshaus

Das Wirthshaus, Bierhaus, Gasthaus oder wie man diesen Brennpunkt der Wiener Geselligkeit sonst benennen mag, übt eine magische Anziehungskraft auf die Menge. Es gibt Bierhallen, Bierquellen, Biersalons u. s. w.

Diese Anstalten sind mitunter auf das Grandiöseste eingerichtet. Die Bierhalle nächst der Mariahilferlinie faßt mindestens 1000 Personen. Im Sommer schwärmt die zechlustige Bevölkerung auf dem Lande umher; einer der beliebtesten Ausflüge ist in dieser Hinsicht Liesing, ein Stationsplatz der Wien-Raaber Eisenbahn, allwo sich ein berühmtes Bräuhaus befindet. Besonders an Sonntagen geht es hier lärmend zu.

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