In Moskau hat am Montag der Prozess gegen die russische Punkband Pussy Riot begonnen. Die Anklage gegen Nadeschda Tolokonnikowa, Jekaterina Samuzewitsch und Marina Alechina lautet auf „Rowdytum“. Dafür sieht das russische Gesetzbuch bis zu sieben Jahre Haft vor. Das eigentliche Delikt dürfte wohl Majestätsbeleidigung sein: Pussy Riot haben im Februar in der Moskauer Erlöserkathedrale für die Erlösung Russlands von Wladimir Putin gebetet.

Im Bezirksgericht Chamownitscheski wurde am Montag zehn Stunden lang verhandelt, ohne dass die jungen Frauen essen, trinken oder die Toilette benutzen durften. Die Verteidigung sprach von Folter, die Richterin wies dies zurück. Die meisten Zeugen der Verteidigung wurden abgelehnt.

Musiker, Künstler, Politiker, Evangelische für Pussy Riot…

Pussy Riot werden von Amnesty International als politische Gefangene betreut. Zu den zahlreichen Unterstützern der Angeklagten gehören Pete Townshend , Jarvis Cocker, Neil Tennant, Kate Nash, Martha Wainwright, Sting, Red Hot Chilli Peppers, Patti Smith, Yoko Ono, Alex Kapranos, Johnny Marr, Peter Gabriel, Madonna, Björk…

In Österreich nannte Außenamts-Staatssekretär Wolfgang Waldner (ÖVP) das Vorgehen der russischen Behörden gegenüber den Musikerinnen „völlig überzogen“. Die österreichischen Grünen die Entsendung von unabhängigen Beobachtern. Auch SPÖ-Nationalratsabgeordnete Petra Bayr schloss sich den Protesten an.

Bei der Eröffnung der Biennale for Young Art in Moskau hielt das Publikum während der Rede von Kulturminister Wladimir Medinsky Plakate mit der Forderung Free Pussy Riot hoch.

Der deutsche evangelische Bischof Martin Schindehütte sagte, das zuletzt kolportierte Strafmaß von drei Jahren Gefängnis gehe „weit über jede denkbare angemessene Reaktion hinaus“.

…Orthodoxe und Katholiken für Putin

Der Moskauer Patriarch Kyrill I. will die „Gotteslästerung“ hart bestraft sehen. Experten schätzen das Vermögen des strengen Kirchenfürsten übrigens auf fünf Milliarden Dollar. Somit scheint erwiesen, dass er Raffgier nicht als Vergehen im christlichen Sinn empfindet.

Während der evangelische Schindehütte auf einen Freispruch hofft, solidarisieren sich die Katholiken – mit Putin. Kathpress zitierte den italienischen Religionssoziologe Massimo Introvigne mit der Aussage, dass die Aktion der Punkband „Pussy Riot“ in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale in jedem westlichen Land „gegen das Gesetz“ wäre. Der Italiener verteidigte die Haltung des Moskauer Patriarchats und sprach von „sogenannten Kunstwerken, in denen die Kirche, der Papst oder sogar Jesus Christus“ beleidigt würden.

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