Der Großteil der in Wien Lebenden sind Zuagraste, die sich in einer erstaunlichen Metamorphose in Wiener verwandeln. Um ihnen bei diesem Prozess behilflich zu sein, stellt die Initiative Leiwand redn hier in äußerst unregelmäßigen Abständen Unterlagen zur Weltsprache Wienerisch bereit.

Kleiner Sprachführer zum Thema Essen und Trinken in Wien I

Das Essen

Tomasz Sienicki, Creative Commons

Eines der ersten Wörter, die ein Wiener Kleinkind beherrscht, lautet Papperl (Essen). Der erwachsene Wiener schätzt dieses Papperl umso mehr, je kalorienreicher es ist. Besondere Bevorzugung genießen deshalb sämtliche panierte Speisen. (Panier: Ummantelung von Fleisch, Käse oder Gemüse durch Ei, Mehl und Weißbrotkrümel)

Vom beliebten Båckhendl (paniertes Huhn, in Öl schwimmend gebacken) kommt die Bezeichnung für den dicken Bauch des Wieners – Båckhendlfriedhof. Träger eines solchen gelten als blad oder gfüllt. Deren Lieblingsbeschäftigung lautet habern, eischneidn oder zwickn.

Isst der Wiener nicht zu Hause, so geht er ins Beisl. Kehrt er dort öfters ein, handelt es sich bestimmt um sein Stammbeisl und er ist mit dem Kobara (Wirten) per Du.

Die Speisekarte

Der Mågnfoaplan(Magenfahrplan, also Speisekarte) gibt Auskunft darüber, an welchen Stationen Halt gemacht werden kann.Beuschl, das: Innereien (Lunge und Herz), serviert mit Semmelknödeln.

Beuschlreißer, der: betrifft nicht die Innereien auf dem Teller, sondern die Lunge des Wieners selbst; starke Zigarette.

Faschiertes: gebratenes Hackfleisch

Gebäck, das: Die Sammelbezeichnung für alle Mundbrotsorten wie z.B. Semmel (Schrippe, Brötchen) oder Soizschtangerl (Salzstangerl)

a Gmischter: Kurzform für „gemischter Salat“

Grammelknödel, der: Kartoffelknödel mit Griebenfüllung. Wenn es aber zwischen den Zähnen grammelt (kracht), ist dies ein ernstzunehmender Hinweis, zum Zahnarzt zu gehen.

Kaiserschmarrn, der: Pfannkuchenähnliche Süßspeise, serviert mit Zwetschkenrösta (Pflaumenkompott)

Millirahmstrudel, der: Milchrahmstrudel, beliebte Süßspeise mit dickflüssiger Vanillesauce

Palatschinke, die: Eine typisch wienerische, also eine romanisch-slawisch-ungarische Wortschöpfung. Hat nichts zu tun mit Schinken, eher mit Crèpes oder Pfannkuchen. Die köstliche Topfenpalatschinke, oft nur in Form des Kürzels Topfnpala ausgesprochen ist nur ungenügend zu übersetzen mit Quark-Crèpes. Wer keine Zibeben (Rosinen) mag, sollte dies dem Kellner rechtzeitig sagen.

Powidldatschkerl, das: Kartoffelteig mit Pflaumenkonfitürefüllung

Schtözn, die: Stelze, Eisbein

Wiener, das: Gerne bestellt der Wiener a Wiener, woraufhin er ein Schnitzel erhält. Speziell deutschen Gästen sei gesagt, dass a Wiener keineswegs ein halbes Paar Würstchen ist, vielmehr heißt jene Wurst in Wien Frankfurter. Wer tatsächlich nur ein einziges Stück Frankfurter verzehren will, wählt einen Einspänner. Doch auch hier lauert die Gefahr der Verwechslung mit einer Kaffeespezialität.

Aus dem Buch: Wienerisch – das andere Deutsch von Beppo Beyerl, Klaus Hirtner und Gerald Jatzek, erschienen im Bernd Rump Verlag.
Mehr: Wienerisch, Folge 2
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