Kategorie: Literatur


Das Piratengedicht

Den Kreativpreis hat sich das Kollektiv Leiwand hochverdient. Gesucht war ein maximal acht Zeilen langes Gedicht über Piraten, in dem folgende Worte verboten waren die Begriffe Schiff, Totenkopf, Rum und Meer.
Die Leiwanden hielten sich exakt an die Vorgaben und gewannen nach einstimmigem Jurybescheid mit dem folgenden literarischen Meisterwerk:

Über dem Korallenriff
fährt der Pirat mit seinem… schwimmfähigen Holzgebinde.
Am Skalp ein langer Zopf,
am Fahnenmast ein… skelettiertes Haupt.
Die Flagge weht im Winde stumm,
der Pirat zieht an der Flasche… Schnaps aus Zuckerrohr.
Doch auch die ist einmal leer,
dann bleibt ihm nur der Sprung ins… salzige Gewässer.

Dafür erhielten sie:

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Kontrolle 2011 – Fragen

Bei der Kontrolle der Mitarbeit ließen wir die zehn Quizabende des vergangenen Jahres noch einmal Revue passieren. Als Sonderprüfung wurden die schwierigsten, d.h. die von den wenigsten Gruppen beantworteten, Fragen des Jahres noch einmal gestellt.

1) Jänner: Von wem stammt dieses Gedicht?

Alpenszene

Hoch auf den höchsten Höhen
Gedeiht am besten das Rindvieh,
Da wohnen die seligen Trotteln
Dem Himmel etwa am nächsten,
Doch freilich am fernsten der Erde.

(…)

So leben sie friedliche Tage,
Erzeugen maulaffende Kinder,
Der Vater erneut sich im Sohne
Und ruhig auf Trottel den Ersten,
Wie Butter, folgt Trottel der Zweite.

Zur Auswahl stehen: Joseph von Eichendorff – Franz Grillparzer – Josef Hader – Friedrich Torberg

2) Februar: Warum interessiert die Kinder in Ostfriesland der Satz: “Welcher Seemann liegt bei Nanni im Bett?”

Hier denken friesische Kinder über Nanni nach... (Friesisches Bauernhaus von Marie Elisabeth Moritz, 1860–1925)

3) März: Der Bordeauxwein ist ein Cuvée, der hauptsächlich aus drei Rebsorten besteht – aus welchen?

4) April: Welche Sexualpraktik nennt man “Feuille de Rose”?

5) Mai: Im Stadtpark stehen die Statuen von sechs Musikern bzw. Komponisten.
Nennt drei davon! (Manchmal haben zwei Musiker denselben Namen. Dann werden sie meistens mit einem Zusatz zum Namen unterschieden, z.B. mit Vater / Sohn)

6) Juni: Ordnet die folgenden Erdzeitalter in der richtigen chronologischen Reihenfolge vom ältesten zum jüngsten: Kreide – Karbon – Quartär

7) August: Was war das Lieblingsgetränk von Janis Joplin?

8) September: Wer schrieb das Libretto zu Mozarts Zauberflöte?

9) Oktober: König Abdullah von Saudi-Arabien hat versprochen, das aktive Wahlrecht für Frauen einzuführen. In welchem Jahr werden Frauen in Saudi-Arabien erstmals wählen dürfen?

10) November: Seit wieviel Jahren ist Ehebruch in Österreich nicht mehr im Strafgesetzbuch enthalten? (Es ist eine Mitarbeitsüberprüfung vom letzten Jahr, damals war es eine runde oder halbrunde Anzahl von Jahren, also ist es jetzt plus eins: Eine Zahl, die mit 1 oder 6 endet.)

Hier kann man die Antworten überprüfen.

Wien zum Lachen

200 Seiten Lektüre aus Wien...

Der Wiener Schmäh ist erstens legendär und zweitens unergründlich. Nun kann man ihn zumindest in geballter Form nachlesen.
Manfred Chobot und Gerald Jatzek haben Texte von H. C. Artmann über Beppo Beyerl, Ignaz Franz Castelli, Heli Deinboek, Christian Futscher, Elfriede Gerstl, Fritz Grünbaum, Eva Laber, Christine Nöstlinger, Andreas Okopenko, Alfred Polgar, Helmut Qualtinger, Karl Kraus, Jura Soyfer und Hugo Wiener bis Helmut Zenker zusammengestellt, die ein Panorama über mehr als 100 Jahre Wiener Satire und Humor bieten.
In den Texten spiegelt sich eine Haltung, die von heiterem Spott bis zur düster melancholischen Totaldesillusion reicht. Die Autorinnen und Autoren demonstrieren eine verkehrte Wiener Welt, sie stellen die Deformation von Mensch und Gesellschaft bloß und üben mitunter beißende Kritik an den Zuständen. Dadurch entsteht ein unverwechselbares Mosaik Wiens und der Eigenart dieser Stadt von der Donaumonarchie bis in unsere Gegenwart.
Ab sofort im Buchhandel:
Schmäh ohne, aber echt, 224 Seiten, gebunden, zahlreiche Abbildungen, Edition Mokka, Wien 2011, ISBN 978-3-902693-27-3

Ungewohnte Blicke auf Kärnten...

Ein Abend mit Gedichten und Geschichten, Satiren, Märchen und Liedern von Bernhard C. Bünker (1948-2010)
mit Michael Bünker, Axel Karner, Antonio Fian, Sepp Lagger, Gottfried Gfrerer (Musik), Hans Pleschberger, Gerald Jatzek (Musik), Bruno Strobel
Hommagen an Bernhard C. Bünker von Fabjan Hafner (Musil Institut Universität Klagenfurt), Hansi Linthaler (Graphiker und Illustrator), Gerhard Moser (ORF), Gerhard Ruiss (IG AutorInnen), Achim Zechner (Verlag Heyn) und weiteren WegbegleiterInnen
Moderation: Manfred Chobot

Ort und Zeit

Alte Schmiede
1010 Wien, Schönlaterngasse 9
19.9.2011 19.00

Josef Wagner-Höhenberg (1870-1939): Die neuesten Nachrichten im Wirtshaus

Das Wirthshaus, Bierhaus, Gasthaus oder wie man diesen Brennpunkt der Wiener Geselligkeit sonst benennen mag, übt eine magische Anziehungskraft auf die Menge. Es gibt Bierhallen, Bierquellen, Biersalons u. s. w.
Diese Anstalten sind mitunter auf das Grandiöseste eingerichtet. Die Bierhalle nächst der Mariahilferlinie faßt mindestens 1000 Personen. Im Sommer schwärmt die zechlustige Bevölkerung auf dem Lande umher; einer der beliebtesten Ausflüge ist in dieser Hinsicht Liesing, ein Stationsplatz der Wien-Raaber Eisenbahn, allwo sich ein berühmtes Bräuhaus befindet. Besonders an Sonntagen geht es hier lärmend zu.
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Eine Altwiener Geschichte aus der Wieden von Franz Gräffer

Putten von Matscheko und Schrödl (1898), Wiedner Hauptstraße 14, Foto: Buchhändler - Creative Commons

Der junge Tuttifrutti und die junge Fruttitutti waren rasend in einander verliebt. Nun hätte man glauben sollen, daß schon die Alliteration ihrer Nahmen sie für einander bestimmt; aber dieser läppische Grund bewährte sich nicht.
Tuttifrutti und Fruttitutti wurden durch die Macht der Verhältnisse grausamlich auseinander gerissen. Tuttifrutti mußte in das weite Rußland hinein heirathen; Fruttitutti mußte in das enge Portugal hinaus heirathen.
Fünfzig Iahre hatten sie nichts von einander gehört; aber während dieser Zeit blieben sie nach wie vor dennoch rasend in einander verliebt, obschon Beyde recht glücklich hinein und hinaus verheirathet waren.
Tuttifrutti dachte täglich mit enormer Sehnsucht an Fruttitutti; Fruttitutti dachte täglich mit enormer Sehnsucht an Tuttifrutti. Schönes und seltenes Zeichen der Treue!
Eines Tages, was geschieht? Es war den 17. September. An einem 17. September erhält Fruttitutti aus St. Petersburg ein Schreiben ihres Tuttifrutti mit der Nachricht, daß seine Gattinn das Zeitliche gesegnet; und an demselben 17. September erhielt Tuttifrutti aus Lissabon ein Schreiben seiner Fruttitutti mit der Nachricht, daß ihr Gatte das Zeitliche gesegnet.
Eines andern Tages, was geschieht? Es war gerade zwey Monathe darauf; es war den 17. November. An einem 17. November kommt von Tuttifrutti in St. Petersburg an Fruttitutti in Lissabon ein Brief mit der Einladung, sich den 17. Iänner künftigen Iahres im Gasthaus zum “rothen Rössel” auf der Wieden in Wien einzufinden; man werde sich dann endlich heirathen, und endlich mit einander glücklich seyn. An demselben 17. November kommt von Fruttitutti in Lissabon an Tuttifrutti in St. Petersburg ein Brief mit der Einladung, sich den 17. Iänner künftigen Iahres im Gasthaus zum “rothen Rössel” auf der Wieden in Wien einzufinden; man werde sich dann endlich heirathen, und endlich mit einander glücklich seyn. Das stand ganz wörtlich genau in dem einen wie in dem andern Briefe, was deutlich genug anzeigt, welch erstaunliche Sympathie in Fruttitutti und Tuttifrutti herrschte; welcher Emklang der Gefühle, welche Übereinstimmung der Formen ic.! Und das Alles noch nach vollen fünfzig Iahren! Beyspiellos!
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Der Herr Beyerl, der was in Meidling wohnt, wurde trotz der zu diesem Behufe notwendigen Durchquerung des fünften Bezirks bereits öfters im Schlupfwinkel gesichtet. Gemeinsam mit Rudi Hieblinger hat er, beginnend in der Wieden, eine Abschweifung vom Bobo- ins Prolo-Wien beschritten. Dazu merkt er an:

“Wir beide begaben uns auf eine Stadtwanderung der besonderen Art. Wir starteten in der Paniglgasse in der Nähe des Karlsplatzes – und endeten in der Meidlinger Pinaglgasse. Freilich, unsere Route war nicht linear, Abschweifungen sind ja intregrale Bestandteile jedes zielorientierten Weges. Sorgsam ausgewählte Umwege führten uns etwa zum legendären 13er, zum Buchhändler Posch, ins Wirtshaus Sittl am Gürtel und über die Panikengasse zum ehemaligen Meiselmarkt. Über den Meidlinger Friedhof gelangten wir endlich zu unserem lang ersehnten Ziel: In die Meidlinger Pinaglgasse, einer Hundescheißzone mit nur einem Haus, das ausgerechnet die Nummer drei trägt.

Bei unserem Start in der Wieden versuchten wir zu ergründen: Wer oder was ist ein Panigl? Da gab es den Cafetier Panigl, der 1957 im Film Ober, zahlen! seine beiden Oberkellner Franz (Hans Moser) und Gustav (Paul Hörbiger) im Café Panigl auf Trab hält; weiters einen Triestiner Weinhändler namens Enrico Panigl, dessen amoröse Geschäfte ihn in der Monarchie bis nach Wien brachten; und zuletzt noch das Altwiener Bürgergeschlecht der Panigl, die hier lebten, wirkten und es sich wohl ergehen ließen.

Schließlich untersuchten wir die etymologische Herkunft von der Wieden. Nun, der Name leitet sich höchstwahrscheinlich vom lateinischen wittum ab, einer Witwenversorgungsanstalt. Wenn das keinen guten Grund darstellt, um im Bezirk zu verweilen!

Wir jedoch wanderten weiter, übers Freihausviertel und die Margaretenstraße bis… aber das können Sie ja im Buch nachlesen.”

Beppo Beyerl und Rudi Hieblinger: Von der Panigl- in die Pinaglgasse, Löcker-Verlag, Wien 2010

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